Zweimal ist Lauffener Recht – die Pokalspezialisten machen ihr M E I S T E R S T Ü C K!

Nachdem unser Pokalteam ja bereits vergangene Saison das Pokalfinale auf württembergischer Ebene erreicht hatte, gelang ihr dieses Kunststück dieses Jahr ja wieder! Es gibt nicht viele Mannschaften in Württemberg, die das 2 x in Folge geschafft haben, höchstens Ober- oder 2. Bundesligisten, und sicher kein Landesligist respektive Verbandsligaaufsteiger! Nachdem man letztes Jahr ja noch etwas unglücklich Zweitligist Böblingen unterlegen war, bekam man es ja diesmal mit renommierten Zweitligaabsteiger Stuttgarter Schachfreunde zu tun. Auch wenn diese nominell schwächer waren als Böblingen letztes Jahr, konnte man sie doch als 5-10 : 1-Favoriten ansehen! Ich machte mir aber dennoch Hoffnung, denn zum einen hatten wir ja z.B. schon Biberach , und zum anderen war klar, daß Stuttgart schon mit ihren 4 besten Leuten antreten mußten, um halbwegs übermächtig zu sein. Dies war aber nicht zu erwarten, und tatsächlich zeigte sich, daß sie zwar mit ihrem Spitzenmann IM Andreas Strunski, FM Igor Neyman, Sebastian Fischer und FM Robert Gabriel eine sehr respektable, aber sicher auch nicht unschlagbare Mannschaft aufgeboten hatten. Da wir auswärts im Bürgerzentrum West in Stuttgart antreten durften, hatten wir (und somit letztlich ich) am im Pokal so wichtigen 1. Brett Weiß, wo ich es erfreulicherweise mit Strunski zu tun bekam, mit dem ich noch ein Hühnchen zu rupfen hatte! Es war klar, daß ein möglicher Erfolg für uns eigentlich nur über einen Sieg an diesem Brett laufen könnte! So begann es zunächst auch gut für mich, ich bekam die Eröffnung und dann die Stellung aufs Brett, die ich haben wollte. An einer kritischen Stelle wich er jedoch ab, und ich bekam doch nicht ganz die Variante, die ich eigentlich haben wollte, und mußte kleinere Brötchen backen … . Frank hatte derweil die Eröffnung etwas ungenau behandelt, aber sein Gegner (Igor Neyman) spielte auch ungenau und ließ einige Chancen aus. Derweil sah die Stellung von Edelersatzmann Wolfgang Sattler etwas gedrückt aus, und Holger hatte nicht nur die Chance zu leichtem Vorteil verpaßt, sondern war sogar in eine verlorene Stellung geraten!

Pokal SSF I - SK Lauffen I 210713

Der Kampf um den Pokal ist in vollem Gange (Aufnahme (freundlicherweise bereitgestellt) von Schachfreund Claus Seyfried – danke!)

Jedenfalls schien nach 1-2 h alles seinem vorgezeichnetem Ende entgegenzugehen … . Immerhin spielte ich schnell und einigermaßen gut, sodaß ich einen schönen Vorteil sowohl auf der Uhr als auch auf dem Brett vorzuweisen hatte! Die Stellung meines Gegners war so gedrückt, daß er nur die Züge wiederholen konnte, während ich mich genüßlich an seinem Leiden laben und meine Stellung schrittweise verbessern konnte 🙂 … . Wolfgangs Stellung dagegen wurde immer schlechter, während bei Frank beide Seiten einige Chancen, leicht bis klar besser zu stehen ausließen, und es nach einem remis roch so gegen den 40. Zug. Ich hatte zwischenzeitlich einen sagenhaften Gewinn ausgelassen (s. Diagramm),Schnepp-Strunski-Pokalfinale 210713und inzwischen sogar schon weniger Bedenkzeit als mein Gegner! Mein Vorteil zerrann mir zwischen den Fingern, und ich schaffte zwar mit noch 2 Minuten auf der Uhr recht bequem die Zeitkontrolle, sah jedoch den naheliegenden Weg zum remis, den mein Gegner mit 7 min locker finden würde … . Ich war etwas frustriert, daß es nicht wenigstens für mich für einen Sieg gereicht hatte, aber wenigstens würde die Mannschaft nicht darunter leiden müssen, da sie ja so oder so verlor! Dachte ich da zumindest … . Doch was mußte ich da sehen?! Holger hatte auf einmal eine Mehrfigur, da sein Gegner zwar eine einfache Drohung gesehen hatte, jedoch erst, nachdem er seinen Turm angefaßt hatte und diesen dann ziehen mußte, und Holger somit eine völlig gewonnene Stellung im Endspiel hatte! Scherer-Gabriel-Pokalfinale 210713

Hier faßte Schwarz seinen Turm an und bemerkte noch vor Ausführung des Zuges, daß ihn d6+ den Springer auf d4 kosten würde – zu spät!

Und Frank stand auch recht sicher auf remis! Und auf einmal tat es doch weh … . Als ich dann den 40. Zug meines Gegners sah, traute ich wieder meinen Augen nicht – wie sich später herausstellen sollte, hatte er sich unter leichtem Zeitdruck verrechnet und das Remisendspiel als für sich (fälschlicherweise) verloren eingestuft. Zudem gab er mir quasi freiwillig einen Bauern, sodaß ich eine technisch gewonnene Stellung bekam. Holger gelang es dann trotz einiger Ungenauigkeiten (sein Gegner hätte das remis noch erzwingen können!) zu vollstrecken, und Frank ließ sogar noch eine ihm von seinem Gegner mehr zufällig gebotene brilliante Gewinnvariante aus, Neyman-Amos-Pokalfinale 210713

Stellung nach 44.Te1?

und schaffte das remis. Mir war damit die Ehre vorbehalten, den „Big Point“ zu machen und Lauffen zu seinem ersten württembergischen Meistertitel zu verhelfen! Zeitgleich mit der Mattsetzung meines Gegners Schnepp-Strunski-Pokalfinale 210713 -2und dem damit verbundenen Sieg gab Wolfgang seine hoffnunglose Stellung auf, denn er hatte ja nur noch weitergespielt, da das Ergebnis noch nicht ganz klar gewesen war. So also schlugen wir die Stuttgarter Schachfreunde mit 2,5 : 1,5 und holten den 1. württembergischen Meistertitel für Lauffen – und womöglich nicht nur im Schach, sondern überhaupt! Jedenfalls fuhren wir zufrieden nach Lauffen zurück und feierten in der Pizzeria am Bahnhof noch gebührend unseren Erfolg.Pokalsiegerteam2013

Das Meisterteam

Somit fehlt uns jetzt eigentlich nur noch der Pokalsieg auf deutscher Ebene 🙂 …

Nachfolgend nochmals präzise die Einzelergebnisse:

Brett 1: FM Gunnar Schnepp (Elo 2312/DWZ 2275) – IM Andreas Strunski (Elo 2369/DWZ 2335) 1-0

Brett 2: Frank Amos (Elo 2073/DWZ 2043) – FM Igor Neyman (Elo 2286/DWZ 2234) 0,5:0,5

Brett 3: Wolfgang Sattler (Elo 2008/DWZ 2016) – Sebastian Fischer (Elo 2259/DWZ 2236) 0-1

Brett 4: Holger Scherer (Elo 2125/DWZ 2094) – FM Robert Gabriel (Elo 2179/DWZ 2129) 1-0

pokalsieg

13 Gedanken zu „Zweimal ist Lauffener Recht – die Pokalspezialisten machen ihr M E I S T E R S T Ü C K!“

  1. Auch von mir herzlichen Glückwunsch! Ihr seid so richtige Pokalmonster. Ihr habt euch den Erfolg mehr als verdient.Weiterhin so viel Glück im Pokal!

  2. Sehr gut Jungs! Nichts anderes erwartet,… jetzt wird die deutsche Ebene unsicher gemacht. Die Neckarmetropole Lauffen macht auf sich aufmerksam!

  3. Schön, daß von unserem Erfolg gebührend Notiz genommen wird und wir (super Kommentar von Philipp Müller), die „Pokalmonster“, euch so viel Freude machen können mit diesem Titel, den ja nicht nur diejenigen für sich beanspruchen können, die das Finale bestritten haben, sondern wenigstens auch diejenigen, die in den Runden davor auch angetreten sind! Und falls es keinen Pokal von Verbandsseite geben sollte, dann müssen wir uns eben selbst einen „schnitzen“ (lassen) ;-)!
    Witzig auch der kurze Bericht von Claus Seyfried auf der Seite der Stuttgarter Schachfreunde (http://www.stuttgarter-schachfreunde.de/aktuelles.htm): „Ja, was ist denn da passiert? Als ich ca. 12 Uhr auf dem Weg ins Freibad vorbeischaute, sah ich eine etwas schlechtere Stellung, eine minimal schlechtere Stellung, eine Gewinnstellung und eine Fast-Gewinnstellung. Wenn dann aber eine einzige Partie kippt, ist es bei nur vier Spielern schnell passiert …. und wir verlieren das Finale im Viererpokal mit 1½ : 2½ gegen Lauffen!! Das war so nicht eingeplant! Aber kein Problem, Ihr könnt das wieder gut machen, indem Ihr auf Bundesebene zwei Runden länger drin bleibt als Lauffen!“ – was schwierig werden dürfte, sofern wir das Halbfinale erreichen sollten … 🙂 .
    Und war da nicht einmal was!? Hat Lauffen nicht schon einmal das Halbfinale im Pokal erreicht gehabt (damals mit dem „stolzen“ Waldi), und ist dann etwas unglücklich ausgeschieden!? Dann war das jetzt die (geglückte) Revanche!
    Und wenn jetzt die neue Mannschaft auf Bezirkspokalebene auch noch erfolgreich wird, dann hätten wir nächstes Mal ja sogar 2 Eisen im Feuer auf Verbandsebene! Also Jungs, haut rein, ich hoffe, daß hier ist euch Ansporn, eure Sache gut zu machen!

  4. Man kann eigentlich nur noch mit „standing ovations“ reagieren.
    Gunnar hat dies glaube ich, richtig gesagt, wenn er die Feststellung macht, dass auch die zuvor beteiligten Spieler großen Anteil am Erfolg haben.
    Langsam brauchen wir Superlative, um die Entwicklung in Lauffen zu beschreiben.
    Für mich besonders erfreulich, dass wir nicht nur sportlich, sondern auch sozialmedial zulegen.
    Nächstes Jahr bitte unbedingt mit Lauffen 2 als Unruhestifter im Bezirk.

  5. Herzlichen Glückwunsch an die Lauffener Schachfreunde, sehr gut gemacht! Wo kämen wir denn da hin, wenn immer der nominell stärkere gewinnen würde! Maximalen Erfolg wünsche ich auch auf Bundesebene!

  6. Herzlichen Glückwunsch zu dieser super Leistung! Schön, dass ihr Unterland so toll represäntiert!

    Viele Grüße aus dem nachbarschaftlichen Schozach,

    Alexander Geilfuß
    Bezirksleiter

Kommentare sind geschlossen.