Jung und etwas zu wild in die neue Saison!

Lauffen 3 verpatzt den Saisonstart mit einem 5:3 bei den erfahrenen Schachspielern des TSG Öhringen 3.

Auch für das A-Klasse Team des Laufferner Schachklubs begann am letzten Septemberwochenende die neue Saison. Das Team kann trotz einiger Verwirbelungen und Wirrungen bei Star-Spielern in den SKL-Teams der höheren Spielklassen wieder auf das bewährte Personal der Vorsaison zurückgreifen und musste niemanden nach oben abgeben. Dies ließ schon manch einen von einer Topsaison 2018/2019 träumen, denn die Formkurve war ja in der letzten Saison an mehreren Brettern stark nach oben gegangen. Nur die Frage war, ob man diese Form auch über die Sommerpause hatte retten können…. (das Ergebnis des ersten Spieltages zeigt… naja frei nach Hamlett… „…der Rest ist Schweigen“).

Guten Mutes machte man sich deshalb zum ersten Auswärtsspiel der Saison. Mit Öhringen traf man auf erfahrene Kämpen die hinsichtlich ihrer Wertungszahlen, im Gegensatz zu anderen Kalibern in der A-Klasse, durchaus im Bereich unseres Teams lagen. Möglicherweise sorgte die Euphorie der neuen Saison für eine gewisse Überheblichkeit bei der Gegnerbewertung, denn gegen Spieler mit ähnlicher Spielstärke kann man eben auch verlieren (was zu Beginn innerhalb der Lauffener Truppe aber nicht denkbar war). Für die Begegnung musste man mit Andreas Zimmermann an Brett 2 und Fabian Wiese an Brett 6 zwar auf zwei bewährte Stammkräfte verzichten, allerdings konnte man mit dem nicht weniger zuverlässigen Ersatz Pascal Brock und dem jungen aufstrebenden Talent Adrian Mühlbauer adäquat auf 8 Spieler auffüllen, so dass auch hier keine Nachteile zu befürchten waren. Deshalb machte sich kein Lauffener größere Sorgen. Das dieses Spiel irgendwie anders war, zeigte sich aber (wenn auch nicht negativ) recht früh, denn alle Lauffener Spieler waren rechtzeitig (wenn nicht zu früh) an den Treffpunkten, bzw. am Spiellokal des Mannschaftskampfes!

Nach einer kurzen Regelbelehrung (denn die A-Klasse spielt – zur Freude der zeitnotaffinen ehemaligen Bezirksligaspielern – diese Saison auch mit 30s Inkrement je Zug) ging es also guten Mutes an die Bretter. Auch wenn der ein oder andere nach der langen Sommerpause etwas länger brauchte, sich den Feinheiten des eigenen Eröffnungsrepertoires bewusst zu werden, entstanden an allen Brettern brauchbare Stellungen. Als erstes beendete F. Reinwald sein Spiel. Der fast Mr.100% der letzten Saison (denn dort hatte er nur im letzten Spiel etwas hergegeben) wird diese Saison nicht um die 100% streiten – er remisierte. Sein Angriff war zwar gut geführt aber seine aktivere Stellung reichte am Ende leider nicht aus, das Spiel zu entscheiden – Schade aber gut gespielt. Routinier Ralf Schlötzer schien die Form aus der letzten Saison konserviert zu haben. Mit starken Zügen drückte er seinen Gegner geduldig Schritt für Schritt vom Brett. Damit stand es schon 0,5 zu 1,5 (..läuft). Als nächstes beendete unser junges Talent Mühlbauer am achten Brett seine Partie mit einem (im Nachhinein etwas Glücklichen) Kampfremis. In seinem ersten Einsatz in der A-Klasse behauptete er sich gut gegen seinen erfahrenen und mit fast 100 Wertungspunkten auch nominell stärkeren Gegner. Die Partie war lange sehr offen und auch wenn der Gegner gegen Ende ein paar Chancen nicht nutzte ein verdienter halber Punktgewinn! Gut gemacht! Das erste Spiel in einem Mannschaftskampf ist nämlich immer ein bisschen anders und in Mannschaftskämpfen wird auch ein bisschen anders Schach gespielt als in Jugendturnieren (zumindest bildet sich der Autor das gerade ein J), so dass man sich auch daran erst gewöhnen muss – Insgesamt also eine Empfehlung für zukünftige Einsätze in der „Dritten“. Als nächster beendete der zweite Ersatzspieler Brock ebenfalls seine Partie an Brett 7. Entgegen seiner sonst so furiosen und wechselseitigen Spielweise ergab sich dieses Mal ein friedliches Remis. Allerdings muss kann man aufgrund der nominell höheren Spielstärke seines Gegners mit der Punkteteilung sehr zufrieden sein und kann auch hier eher von einem gewonnenen halben Punkt sprechen. Zur Halbzeit der gespielten Partien schien beim Stand von 1,5 zu 2,5 noch alles in Butter. Doch es sollte anders kommen…
An Brett 5 stand Jannik Zimmermann eigentlich schon nach der Eröffnung auf Gewinn. Doch irgendwie konnte er die erspielten Vorteile nicht umsetzten. Als einziger noch spielender in den Brettreihe 5-8 schien er irgendwie aus dem Tritt zu kommen, so dass er nicht nur den Sack nicht zu machte, sondern die Partie auch noch komplett zu Gunsten der Gastgeber kippte und er am Ende aufgeben musste. Schade und sehr unglücklich! Auch am vierten Brett musste L. Reinwald gegen den fast 100 Jahre alten Nestor der A-Klasse Lehrgeld bezahlen. Der erfahrene Öhringer ließ sein ganzes Schachwissen aufblitzen, dem jungen Lauffener Spieler keine Chance und brachte mit dem 3,5 zu 2,5 auch die Wende im Mannschaftskampf. Damit war jetzt Zähne zeigen angesagt. Es spielten noch Schuh am Spitzenbrett und Mastermind Nieke am zweiten Brett. Schuh war trotz seines mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Alters auch einer aus der Abteilung Jugend forscht. Mit etwas mehr Zeitaufwand als eigentlich nötig sein sollte, kam er dann doch ganz gut mit einem Mehrbauern aus der Eröffnung. Der Gegnangriff von Schwarz schien beherrschbar. Dann vertändelte er aber seinen Vorteil mit zwei schlechten Zügen, weil er zu sehr mit Mattphantasien beschäftigt war (zumindest erklärte er dies im Zwiegespräch mit dem Presseabteilung von Lauffen 3 nach seiner Partie). Der unterschätzte Gegenangriff kostete ihn plötzlich eine Figur für zwei weitere Bauern. Materiell zwar unterschiedlich aber noch in etwa im Gleichgewicht stand nun eher weiß gedrückt. Der Gegner, dem im Gegensatz zum völlig abgetauchten Lauffener der aktuelle Stand des Mannschaftskampfes bekannt war, bot daher ein Remis. Schuh informierte daher seinen Mannschaftführer pflichtbewusst über das Remis Gebot und erkundigte sich über den Zwischenstand. Nieke antwortete Ihm Regelkonform: „Es steht 3,5 zu 2,5 es laufen noch unsere beiden Partien, zu meiner darf ich dir nichts sagen…“. Das musste Nieke aber auch nicht mehr… Obwohl Schuh, nachdem er den (für ihn) überraschenden Rückstand verarbeitet hatte, bereit war seine Partie bis zum Ende auszufechten, verpuffte der ganze Kampfeswille beim Blick auf das Nachbarbrett. Normalerweise sind Stellungseischätzungen gerade bei Turmendspielen sehr schwierig. Wenn der Gegner aber 3 Freibauern hat wird es dann doch recht einfach… Trotz einer soliden Stellung nach der Eröffnung war Nieke nämlich in Mittel- und Endspiel die Partie entglitten, so dass er einen Bauern nach dem anderen hatte „spucken“ müssen. Irgendwie waren dem sonst so routinierten und starken Spieler gegen Ende ein paar fatale Fehler unterlaufen. Naja sein Kampfgeist ist Nieke trotzdem hoch anzurechnen! Schuh überlegte zwar, besann sich aber eines Besseren und nahm das Remisgebot an. Der Mannschaftskampf war objektiv gesehen gelaufen und dass er seine Partie noch gewinnen würde war auch fragwürdig (besonders an der an diesem Tag bewiesenen Form) – ein weiterspielen hätte also alle beteiligten nur länger vom Mittagessen abgehalten. Nach dem Remis setzte Nieke seine Partie ebenfalls Stellungsgerecht fort – er gab auf. Damit war der verpatzte Neustart mit 5:3 amtlich.

Nach der Auftaktniederlage startet man auf dem vorletzten Platz vor den spielfreien Forchtenbergern in die neue Saison. Dies verspricht also eine interessante Saison zu werden, denn nach dem ersten Spieltag mit drei Brettpunkten, durch die Feinwertung so stark nach hinten geschleudert zu werden, zeigt wie knapp die anderen Mannschaftskämpfe ausgegangen sind. Sofern die Paarungen also nicht zufällig besonders gleichwertig gelost wurden, scheinen alle Mannschaften ähnlich stark aufzuspielen. Zu Lauffen muss man sagen, dass bei dieser Begegnung vor allem die vorderen Bretter (mit einer Ausnahme an drei) deutlich unter ihren Möglichkeiten geblieben sind und sich in dieser Saison noch deutlich steigern müssen, waren (bei allem Respekt für die stark aufspielenden Öhringern) doch hier ausnahmsweise in den meisten Fällen nominell schwächere Spieler gesetzt. Der nächste Gegner Bad Wimpfen scheint (zumindest auf dem Papier) eine deutlich schwerere Nuss zu sein. Die guten Leistungen der „hintere“ Brettbatterie und die jungen Talente geben jedoch auch Grund zur Hoffnung! Auch wenn man jetzt gewarnt ist muss der dritten Mannschaft noch nicht bange werden. Bei der Tabelle macht man es wie bei einer Leiter, man fängt unten an und klettern langsam hoch!
Die Saison ist noch lang und wir haben (mal wieder) nur ein bisschen Anlauf genommen….

 

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